Decision making – do you just wing it?

Eight tips for making good decisions

Dear Readers,

Today I’ll be discussing an issue that’s important for all of us – namely how to make good decisions.

It’s sad but true: our preconceptions about how decisions are made are completely at odds with the reality of how they’re made. You could say that we all suffer from the illusion that our decisions are the end product of careful deliberation. That this is not the case and how decisions are actually made forms the subject of today’s blog. Today’s posting concludes with some tips as to how you can nonetheless make the best out of decision-making situations.

And as always, I look forward to your feedback and to exchanging ideas with you.

Warm regards,

Michael Ohlmer

eBook download – 7,90€


Los geht’s:

Ich habe einen Schwager, der genau weiß, wie die Welt funktioniert. Egal, welches Thema man anschneidet, mein Schwager weiß Bescheid. Ich gebe zu, dass mich diese „Anmaßung“ früher oft geärgert hat. Wie kann er, ein „einfacher“ Handwerksmeister, glauben, er wäre klüger als die ganzen Experten dieser Welt, die hochdekoriert mit wissenschaftlichen oder öffentlichen Auszeichnungen durchs Leben gehen?

Heute weiß ich es besser: mein Schwager hat Recht. Oder anders gesagt, er hat nicht weniger Recht als irgendjemand sonst auf der Welt – weil keiner von uns sagen kann, was wahr ist, sondern jeder nur in seiner eigenen subjektiven Wirklichkeit lebt und alles aus genau dieser Perspektive wahrnimmt und deutet, sich also jeder seine eigene Welt konstruiert.

Du glaubst mir nicht? Nun, dann schau dir bitte mal das Video von Richard Wiseman, „The Colour Changing Card Trick“ an:

Investiere 02:43 Minuten deiner Zeit, diese Minuten werden dein Leben verändern. Bis gleich …

 

Ach ja, hier weiter zu lesen ohne vorher das Video anzuschauen bringt jetzt wirklich nichts. Du kannst ja heute Abend oder morgen das Video anschauen und dann weiterlesen, wenn du jetzt keine Zeit oder Lust hast.

 

Die „bittere Wahrheit“

Und, habe ich zu viel versprochen? Wie viele Farbänderungen hast du gesehen? Als ich das erste Mal dieses Video gesehen habe, bin ich aus dem Staunen nicht mehr rausgekommen. Bei jeder „Enthüllung“ musste ich heftiger lachen. Wie erklärst du dir, was dort passiert? … Ok, du hast halt auf die Karten geachtet. Doch welche Erkenntnis folgt daraus? Denk nach!

… Richtig, du nimmst nur wahr, worauf du achtest! Das stimmt. Doch wer oder was hat darüber entschieden, worauf du achtest, oder anders ausgedrückt: wo du mit deiner Aufmerksamkeit warst? Hast du dich bewusst entschieden, nur auf die Karten, aber nicht auf die T-Shirts der beiden Personen oder die Tischdecke oder den Wandhintergrund zu achten?

Ich vermute mal: Nein! Diese Entscheidung trifft dein Unterbewusstsein für dich, ohne dein bewusstes Denken einzubeziehen.

Bewusstseinsforscher gehen heutzutage davon aus, dass mehr als 95% aller unserer Entscheidungen unterbewusst getroffen werden. WOW!!!

Der Prozess der Entscheidungsfindung und -umsetzung läuft in etwa so:

 

falsche Annahme:

etwas bewusst wahrnehmen (Informationsaufnahme)
—> über etwas bewusst nachdenken (Informationsverarbeitung)
—> bewusst entscheiden, ob wir etwas tun und was (Informationsverarbeitung und Energiemobilisierung)
—> vorsätzlich handeln

 

richtige Annahme:

etwas unterbewusst wahrnehmen (Informationsaufnahme)
—> etwas unterbewusst bewerten (relevant/irrelevant; gefährlich/sicher) (Informationsverarbeitung)
—> unterbewusst entscheiden, ob wir etwas tun und was (Informationsverarbeitung und Energiemobilisierung)
—> handeln
—> nachträglich rationalisieren (mit dem Verstand eine Erklärung suchen), warum wir so gehandelt haben

 

Wie entsteht unsere Wirklichkeit?

Warum ist das so? Der entscheidende Punkt ist der, dass die „neue“ Information, die wahrgenommen wird, nicht auf eine neutrale Instanz in unserem Gehirn trifft, wo sie neutral verarbeitet würde. Dein Gehirn besteht aus einem gigantischen Netzwerk von miteinander verknüpften Nervenzellen (ca. 100 Milliarden Gehirnzellen, die jeweils mit ca. 5000 anderen Gehirnzellen über sogenannte Synapsen verbunden sind).

Dieses Netzwerk ist durch frühere Erfahrungen entstanden. Immer wenn etwas für dich Neues passiert, entscheidet das Gehirn, wie es damit umgeht, ob es sich kümmert und was es damit macht – ohne, dass du davon irgend etwas mitbekommen würdest. Das läuft vollkommen unbewusst ab. Du lernst permanent, um besser überleben zu können und mehr Lust als Schmerz zu erleben.

Jedesmal, wenn du etwas lernst, verknüpfen sich Nervenzellen miteinander und es entsteht ein erweitertes Netzwerk. Ok, ca. 50% an Verknüpfungen hast du schon mit auf die Welt gebracht, dein evolutionäres und kollektives Erbe sozusagen. Doch der Mensch ist das Säugetier mit dem höchsten Lernanteil, weil du dadurch viel flexibler auf eine sich verändernde Umwelt reagieren kannst.

Da dein Gehirn sich nicht um alles kümmern kann, was außerhalb des Gehirns vor sich geht, versucht es, sich auf das Wichtigste zu konzentrieren. Es verbraucht so schon ca. 25% des gesamten Energiehaushalts des Körpers – und das bei gerade mal ca. 1,5 Kilo Eigengewicht. Wie macht es das? Es entscheidet als erstes, ob das, was „da draußen“ passiert für dich relevant ist, in Bezug auf deine Sicherheit und dein Wachstum. Dafür benutzt es die Informationen, die es bisher schon gespeichert hat. Der Bezugspunkt, ob du Information wahrnimmst oder nicht, liegt also nicht im Außen, sondern innen drin in deinem Gehirn, in den Schaltkreisen, die sich in der Vergangenheit gebildet haben.

Wenn von „drinnen“ nicht das Signal kommt: „ja, könnte wichtig sein“, dann nimmst du die äußere Information erst gar nicht wahr. Und folglich denkst du auch nicht darüber nach und triffst keine bewusste Entscheidung, ob und wie du auf die Information reagierst. Dein Gehirn hat dir diese Entscheidung bereits zu Beginn des Prozesses abgenommen, nur leider vergessen, deinem bewussten Denken Bescheid zu sagen. 

 

Warum trickst uns unser Gehirn aus?

Das hört sich ja ziemlich kontraproduktiv an. Doch bei genauerer Betrachtung macht das Ganze Sinn. Das Gehirn versucht, so viele Prozesse wie möglich zu automatisieren, denn alles was automatisiert ist, kann schneller ablaufen. Wir können handeln ohne erst nachdenken zu müssen.

Wenn sich bei dir, wo du gerade sitzt und diese Zeilen liest, plötzlich die Eingangstür öffnet und ein Tiger hereinspaziert, welche Fragen wären dann sinnvoll zu ergründen? Seit wann Tiger solche Türen öffnen können? Ob der Tiger vielleicht aus einem in der Nähe gastierenden Zirkus oder aus dem Zoo ausgebrochen ist? Ob der Tiger 5 oder 6 schwarze Streifen auf seinem Fell hat und demzufolge ursprünglich aus Sumatra oder Bangladesh kommt?

Ich glaube, die einzigen Fragen, die jetzt relevant wären, wären Fragen wie: wo ist das nächste Fenster oder eine weitere Tür? Oder: wer ist mit mir hier im Raum, den ich zwischen mich und den Tiger schieben kann? Denken dauert manchmal einfach zu lange, nämlich immer dann, wenn es darum geht, schnell einer großen Gefahr zu entkommen.

 

Warum akzeptieren wir dann nicht einfach unsere Begrenztheit?

Die automatisierte Informationsverarbeitung findet im wesentlichen in den evolutionär älteren Gehirnregionen, dem Stammhirn und dem Limbischen System statt. Dort geht es wie gesagt in erster Linie um das Überleben. Unsere jüngste evolutionäre Errungenschaft ist jedoch unser Großhirn. Die Beschaffenheit und Funktionalität dieses Gehirnbereichs ist das, was uns von den anderen Säugetieren geistig unterscheidet: wir sind uns unserer selbst bewusst.

Evolutionär gesehen sind wir in dem Maße entwickelt, wie unser Bewusstsein entwickelt ist. Wir brauchen unser bewusstes Wahrnehmen und Denken, Bewerten und Entscheiden, weil unsere Welt immer komplexer wird. Wenn es nur um „Freund oder Feind“, „schwarz oder weiß“, „ja oder nein“ geht, dann müssen wir nicht viel nachdenken, das erledigt unser Unterbewusstsein für uns.

Wenn es jedoch darum geht, feinere Unterschiede zu bilden, die „Grautöne“ in einer Situation wahrzunehmen, nicht „alles über einen Kamm zu scheren“ – dann brauchen wir möglichst viel Bewusstsein.

Die spannende Frage ist nun: wie nutzen wir unter den gegebenen Ausgangsvoraussetzungen unser Gehirn möglichst effektiv, um das Beste aus jeder Situation herauszuholen – oder anders gesagt:

wie werden wir von Gehirnbesitzern zu Gehirnbenutzern?

 

Der Weg zu guten Entscheidungen

Was kannst du also tun, um nicht unbewusst mit Gehirnwindungen aus der Vergangenheit Entscheidungen in der Gegenwart für die Zukunft zu treffen? Wie gelingt es dir, eine möglichst bewusste Wahl unter Berücksichtigung aller Fakten zu treffen?

 

Tipp 1: Akzeptiere, dass du nicht die Wirklichkeit wahrnimmst, sondern selbst erzeugst.

Jeder lebt in seiner eigenen, subjektiv erzeugten Wirklichkeit. Natürlich gibt es ausreichend viele ähnliche Erfahrungen, die wir  mit unseren Mitmenschen teilen, sodass wir in der Lage sind, uns auf bestimmte „Wirklichkeitssichten“ zu einigen und davon ausgehend gemeinsam handeln können.

 

Tipp 2: Identifiziere dich nicht mit deiner Wahrnehmung und Deutung der Situation.

Entwickle Achtsamkeit. Achtsamkeit meint, innerlich zu beobachten, was du wahrnimmst und wie du das deutest. Dabei bleibst du jedoch neutral, d. h. du identifizierst dich nicht mit deiner Wahrnehmung und deinen Deutungen, sondern bist dir bewusst, dass andere Menschen in der gleichen Situation anders wahrnehmen und deuten könnten. Warum? Weil sie andere Lernerfahrungen gemacht und daher andere Verknüpfungen von Nervenzellen im Gehirn haben, die ihre Wahrnehmung und Deutung dementsprechend anders steuern.

 

Tipp 3: Bejahe „Unterschiedlichkeit“

Konrad Adenauer soll mal gesagt haben: „Wenn zwei Menschen im Raum das selbe denken, ist einer überflüssig.“ Anstatt also dagegen anzukämpfen, wenn andere Personen andere Meinungen haben oder aufgrund ihrer Wahrnehmung der Situation zu anderen Schlussfolgerungen gelangen (Deutungen), solltest du andere ermutigen, Dinge anders zu sehen als du selbst.

 

Tipp 4: Wechsle die Perspektive

Versuche dich in die Sichtweise der anderen hineinzudenken und die Welt durch ihre Brille zu sehen. Wie müsstest du gucken, um sehen zu können, was sie sehen? Stelle lieber Fragen, die dir dabei helfen, die Sichtweise der anderen besser erfassen und verstehen zu können anstatt zu argumentieren, warum deine Sichtweise die Richtige ist. Das Motto ist: erst verstehen, dann verstanden werden.

 

Tipp 5: Denke in Alternativen

Dieser Ansatz wurde von Edgar de Bono auch „Laterales Denken“ genannt. Das meint, in die Breite zu denken statt immer tiefer zu bohren. Wie könnte man die Situation noch interpretieren? Welche Annahme wäre auch plausibel? Wie müsste man über das selbe anders nachdenken, um andere Erkenntnisse zu gewinnen?

 

Tipp 6: Höre auf deine Intuition

Deine Intuition ist der Vermittler zwischen deinem Bewusstsein und deinem Unterbewusstsein, manchmal auch deinem höheren Bewusstsein. Viele nennen die Intuition auch „Bauchgefühl“. Einige Wissenschaftler gehen davon aus, dass es so etwas wie Herzintelligenz gibt. Vertrau auf deine innere Stimme und beziehe Ahnungen, Gefühle und Eingebungen in deine Entscheidungen ein.

 

Tipp 7: Hole dir Feedback

Triff nach Möglichkeit in wichtigen Angelegenheiten nur vorläufige Entscheidungen und hole dir hierzu von anderen Personen Feedback, was sie von dieser Entscheidung halten. Höre aufmerksam zu, diskutiere nicht und rechtfertige dich nicht. Versuche zu lernen statt zu Wissen.

 

Tipp 8: Denke konsequent bis zum Ende

Hinterfrage die Konsequenzen deiner Entscheidung. Wenn ich A entscheide, was folgt daraus für wen? Wer wird wie von dieser Entscheidung betroffen sein? Und was passiert dann? Ein häufiger Fehler (siehe negative Entscheidungen in der Wirtschaft und Politik) besteht darin, nicht die Kette von Konsequenzen bis zu Ende durchdacht zu haben, sondern auf halbem Weg zufrieden gewesen zu sein.

 

Ich hoffe, ich konnte dir einige Anregungen zum Thema „Entscheidungen treffen“ mitgeben. Ich freue mich auf diene Rückmeldungen :-).

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