Feedback: judgement or message?

How you get what you need from feedback

Dear Readers,

Today I’ll be discussing a subject that has preoccupied me for many years. As a business consultant, trainer and coach, I often have a ringside seat on the mindset of managers and executives. Some aspects of these mindsets I’ve made my own because they’ve inspired me to grow personally and professionally; whereas other aspects I must say I feel are iffy. In my opinion, feedback is something that is prone to being viewed and handled in a very one-sided manner and that does at least as much harm as good.

So in this blog I’ll be addressing the following issues: What exactly is feedback? What’s the difference between good and bad feedback? How can feedback be provided so as to promote personal growth and a stronger sense of connection?

I’m really curious to hear your reactions to what I have to say in today’s blog, so do feel free to post your comments here.

Warm regards,

Michael Ohlmer

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 Ich möchte mit einer eigenen Geschichte beginnen:

„Warum bist du nur so hart?!“

Ich sitze im Auto mit meinen beiden amerikanischen Ausbildern in Achtsamkeit. Wir haben gerade fünf Tage gemeinsam mit neun weiteren Ausbildungsteilnehmern auf einer kleinen Finca in Südspanien verbracht und ich fahre Dr. Joel und Michelle Levey zu einem Treffpunkt an der Hauptstraße, von wo sie zum Flughafen gefahren werden, um weiter zu reisen.

Wir schweigen, wie wir das während der fünf Tage mit viel Meditation oft getan haben. Plötzlich eröffnet Michelle das Gespräch mit den Worten: „Dürfen wir dir noch etwas sagen, Michael?“ Ich bin überrascht, weil die Frage sehr förmlich klingt, doch antworte: „Natürlich, worum geht’s?“ Michelle: „Es geht darum, wie du gestern Mittag am Tisch deine Meinung dazu geäußert hast, ob wir die nächste Ausbildungswoche wieder hier in der Finca machen sollen oder uns einen anderen Ort suchen.“

Oha, mir schwant etwas. Dazu muss ich ergänzen, dass unsere Ausbildung eine European Learning Expedition ist. Es nehmen insgesamt 10 Personen aus verschiedenen Ländern, nämlich England, Schweden, Spanien und Deutschland, daran teil. Und einer der Auszubildenden bewirtschaftet eine kleine Finca und hat uns die Finca für den Ausbildungsblock, den wir gerade hinter uns haben, vermietet.

„Weißt du,“ fährt Michelle fort, „es war ja okay, dass du gesagt hast, dass es dir hier nicht gefallen hat und du lieber die nächste Ausbildungswoche woanders hättest, aber die Art, wie du das gesagt hast, das fanden wir nicht in Ordnung!“ „Genau,“ stimmt Joel zu, “das war so nicht richtig.“ „Das kam so hart rüber,“ ergänzt Michelle, „das hat Tom (Name geändert) verletzt.“

Kleiner Sprung: wenn Du das so liest, was bisher im Auto gesagt wurde, wie hättest Du Dich an meiner Stelle gefühlt?

Ich vermute, dass jeder Leser etwas anders reagiert hätte. Doch weiter in der Geschichte …

In mir kamen sehr unterschiedliche Gefühle und Gedanken hoch. Ein Gefühl war Empörung, ein anderes Scham, ein drittes Wut. Meine Gedanken: „Warum mischen die beiden sich überhaupt ein? Wenn Tom mir das gesagt hätte, ok, aber Joel und Michelle?“ – „Was habe ich jetzt wieder falsch gemacht?! Immer haben die beiden mich auf dem Kieker!“ – „Ok, das weiß ich auch, dass das komisch rüberkam und es ist mir selber peinlich.“ – „Ich finde es ungerecht, dass sie Tom in Schutz nehmen, mich aber nicht. Ist Tom etwa besser als ich oder haben sie ihn lieber?“

 

Schauen wir uns den Vorfall jetzt einmal genauer an

Ich weiß nicht, was sich in Dir abgespielt hätte, aber ich glaube nicht, dass ich so untypisch bin, dass nicht der eine oder andere Gedanke oder eines der beschriebenen Gefühle auch in anderen Menschen hochkommt, wenn sie sogenanntes kritisches oder negatives Feedback gekommen.

Was genau wollten Joel und Michelle mit ihrem Feedback erreichen? Ich vermute mal, dass ich einsehe, dass ich mich falsch verhalten habe und mein Verhalten zukünftig ändere. Vielleicht auch, dass ich mich bei  Tom entschuldige.

Vielleicht hätte das bei jedem von Euch, die Ihr das hier gerade lest, so gewirkt – bei mir jedenfalls nicht. Bei mir hat dieses Feedback bewirkt, dass ich etwas Vertrauen in Joel und Michelle eingebüßt habe – und dass ich umso motivierter bin, diesen Beitrag hier zu schreiben ;-).

Auf mich hat das Ganze nicht wie ein liebevoller, gut gemeinter, freundschaftlicher Hinweis gewirkt, sondern wie eine Gerichtsverhandlung ohne Anhörung des Beschuldigten. Meine Schuld – das unpassende Verhalten – stand für Joel und Michelle schon fest, ohne dass sie mich vorher gefragt hätten, wie ich die Situation erlebt habe und, angenommen es wäre mir selbst auch etwas unpassend vorgekommen, was mich dazu bewegt hat, es so zu sagen, wie ich es getan habe?

Für mich stecken in dieser Geschichte zwei überaus spannende Fragen:

  1. Warum geben wir überhaupt Feedback, was bezwecken wir damit?
  2. Welche Berechtigung haben wir, kritisches Feedback zu geben?

 

Warum geben wir Feedback?

Eine oft zu hörende Begründung ist: „Ich muss ihm doch sagen, was er falsch gemacht hat, sonst kann er sich ja nicht ändern!“ Stimmt das so?

Einerseits JA:

Ohne Feedback können wir nicht lernen. Alles, was uns widerfährt, gibt uns Information darüber, in welchem Zustand wir uns befinden und wie wir uns in der Welt bewegen. Wenn wir uns an der Tischecke stoßen, lernen wir durch den Schmerz, dass die Tischplatte härter ist als unsere Oberschenkelmuskulatur und wir besser Abstand halten. So gesehen ist jedes Feedback positiv, egal in welcher Form oder mit welcher Absicht es gegeben wird.

Das ist der Grund dafür, warum wir jedes Feedback ein Stück annehmen und schätzen sollten und, wenn es von unseren Mitmenschen kommt, als deren Liebesbeweis und eigene Wachstumschance interpretieren können.

Virginia Satir, eine von mir sehr geschätzte amerikanische Psychotherapeutin, hat dazu gesagt: „Alles probieren, aber nur runterschlucken, was schmeckt!“

 

Andererseits NEIN:

Aber es fühlt sich oft nicht so an! Ich habe mich weder geliebt gefühlt noch verspüre ich das Bedürfnis, in der mir nahegelegten Weise zu wachsen. Jetzt könnte man sagen: das liegt daran, dass ich uneinsichtig und widerspenstig bin – und undankbar noch dazu. Selbst wenn das zuträfe, bleibt doch die Frage: macht es Sinn, einem anderen Gutes zu tun, wenn er sich dabei persönlich verletzt und gekränkt fühlt?

Ich habe an dieser Stelle noch einen anderen Satz im Ohr, weiß aber nicht mehr, von wem der kommt:

„Wenn es verletzt, ist es keine Liebe.“

 

Als Kontrast zur ersten Geschichte möchte ich noch eine zweite Geschichte aus meinem Leben erzählen. Auch hier bekomme ich sogenanntes negatives Feedback, doch es wirkt ganz anders auf mich.

 

„Das hast du ja toll geblufft!“

Ich habe mich in der Schule meistens unwohl gefühlt. Daher habe ich in der Oberstufe nur die Mindestanzahl von Kursen gebucht, die nötig waren, um zur Abiturprüfung zugelassen zu werden. Mein viertes Abiturfach ist Pädagogik. Meinen Wissenstand vor der mündlichen Prüfung kann man mit gutem Gewissen als äußerst lückenhaft bezeichnen.

Am Tag vor der mündlichen Prüfung sitze ich bei uns im Garten und habe zwei dicke Ordner mit den behandelten Themen der letzten 3 Jahre vor mir. Nicht das Ihr meint, ich hätte fleißig alles gesammelt und ordentlich abgeheftet, nein, die Ordner habe ich mir von einem Schulkameraden geliehen, der bei mir im Kurs ist, aber selber keine Prüfung macht.

Ich sitze also da und denke: „Puh, das ist viel zu viel, das kann ich niemals alles durcharbeiten.“ Ein sicherlich vernünftiger Gedanke! In meiner Not ziehe ich blind zwei Seiten aus einem der beiden Ordner – und lerne diese auswendig. Am nächsten Tag sitze ich gespannt wie ein Flitzebogen in der Prüfung. Obwohl ich keine Lust zum Lernen hatte, will ich gute Noten bekommen, weil ich weiß, dass der Abiturdurchschnitt darüber entscheidet, was ich später einmal studieren kann. Und weil ich gerne ein Sieger bin ;-).

Ich kann mein Glück kaum fassen, als der Prüfer, mein Kurslehrer, das Prüfungsthema vorliest: es ist genau das, was ich zufällig gestern auswendig gelernt habe.Wow, denke ich, die Chance darf ich mir nicht vermasseln. Ich tue ganz cool und antworte auf die Fragen der Prüfer nicht so, als wenn ich das erfragte Wissen „auf Halde“ habe und einfach nur abrufe, nein, ich tue so, als wenn ich in diesem Moment über die Sache selbständig nachdenke und quasi wie aus dem Nichts geniale Ideen entwickle. Meine Prüfer sind ganz begeistert und ich bekomme am Ende eine 1+, volle Punktzahl. Geschafft!

Abends findet eine Abiturparty statt. Ich gehe mit immer noch vor Stolz geschwellter Brust dorthin. Es sind noch nicht viele Leute da und ich schau mich erst mal so um. Plötzlich begegnet mir einer der Prüfer der Pädagogikprüfung von heute Vormittag. Es ist nicht mein Lehrer, sondern einer der Beisitzer, der Lehrer aus dem Leistungskurs. Er lächelt mich an und sagt: „Na, da hast du ja toll geblufft heute!“ Und geht an mir vorbei weiter in seine Richtung.

Ich bin total baff, wie schockgefroren, kann erst mal keinen weiteren Schritt machen, sondern stehe einfach nur so da. Ich dachte, meine Show wäre super gewesen und keiner hätte es geblickt, dass ich geschauspielert habe. Und dann das! Der hat mich ja total durchschaut.

Bist Du noch dabei? Wie hättest Du Dich an meiner Stelle gefühlt?

Ich war wie gesagt total geschockt und bin auch nicht mehr lange auf der Party geblieben – die Lust war mir gründlich vergangen. Ich habe mich geschämt und mies gefühlt. Und trotzdem, aus diesem negativen Feedback habe ich eine der wichtigsten Lehren und Vorsätze für mein weiteres Leben gezogen:

Ich möchte nicht mehr schauspielern, ich will authentisch sein!

Was ist nun der Unterschied zwischen den beiden Feedback-Situationen, die ich hier mit Euch geteilt habe?

 

Feedback, das zwar schockiert, aber nicht verletzt

Der Hauptunterschied für mich ist: ich habe mich durch das Feedback des Pädagogiklehrers nicht verurteilt gefühlt, zwar schmerzhaft durchschaut, aber nicht abgewertet. Es war hart, so in den eigenen Abgrund zu schauen, aber auch hilfreich, mich selbst deutlicher zu sehen. Ich fühlte mich durch das zweite Feedback gespiegelt, aber nicht getadelt. Dazu fällt mir ein Spruch aus dem Change-Management ein: „Keiner hat etwas gegen Veränderung – aber niemand möchte von außen verändert werden.“

Das Vertrauen zu dem Pädagogiklehrer hat nicht gelitten, im Gegenteil! Obwohl er mich schon in der Prüfung durchschaut hatte, hat er mir dort keinen „reingewürgt“. Es wäre sicherlich für ihn ein Leichtes gewesen, mich in der Prüfung vorzuführen und zu demaskieren – hat er aber nicht getan. Das hat mein Vertrauen zu ihm enorm gestärkt – und umso bereiter war ich, durch seine Botschaft an mich zu lernen, sein Feedback als Wachstumschance zu nutzen.

Und das, obwohl ich den Lehrer kaum kannte, also nicht schon vorher eine positive Beziehung zu ihm gehabt hätte. Im Gegenteil, ich habe immer ein etwas mulmiges Gefühl gehabt, wenn ich diesem Lehrer durch Zufall irgendwo begegnet bin und mich immer in sicherer Entfernung zu ihm gehalten.

Mit anderen Worten: dieser Pädagogiklehrer hat mit seiner Art Feedback zu geben viel mehr von dem bewirkt, was meine Achtsamkeitslehrer vielleicht bewirken wollten: Selbstreflexion und Verhaltensänderung. Erstaunlich, nicht wahr?

 

Was lernen wir daraus?

Hier kommt Frage zwei ins Spiel: Welche Berechtigung haben wir, kritisches Feedback zu geben?

Letztendlich kommunizieren wir, um etwas zu geben oder etwas zu bekommen.

Etwas bekommen wollen meint, dass ich mir vom anderen wünsche, er möge dazu beitragen, dass sich meine Bedürfnisse erfüllen. Lass Dir diesen Satz noch einmal auf der Zunge zergehen: ich möchte, dass der andere dazu beiträgt, dass sich meine Bedürfnisse erfüllen.

Alles, was uns im Leben antreibt, irgend etwas zu tun oder zu lassen, hat unterschwellig damit zu tun, dass wir versuchen, uns oder anderen wichtige Bedürfnisse zu erfüllen. Das klingt etwas egoistisch, ist es aber nicht. Die meisten Bedürfnisse, die ich kenne, sind soziale Bedürfnisse: es braucht immer ein Gegenüber, damit sich für beide Personen etwas erfüllen kann. So wie wir das Bedürfnis nach Unterstützung haben, so haben wir gleichzeitig das eigene Bedürfnis, auch anderen zu helfen. Wir sind als Menschen soziale Wesen und tragen ursprünglich alle die Veranlagung und die Bereitschaft in uns, mit anderen Wesen mitzufühlen und zu ihrem Wohl beizutragen. Wenn ich dir helfe, hilft das gleichzeitig auch mir!

Kritisches Feedback wäre, aus dieser Perspektive betrachtet, eine mehr oder weniger geschickt verpackte Bitte um Unterstützung: wenn du „A“ machst, hilft mir das nicht, mein Bedürfnis nach „C“ erfüllt zu bekommen. Bist du bereit, „B“ zu machen, damit sich mein Bedürfnis nach „C“ erfüllen kann?

 

„Uns in unserer Bedürftigkeit zeigen“

Die Antwort, wie ich Feedback als Bitte formuliere zur Unterstützung der Erfüllung meiner Bedürfnisse, ist inhaltlich stimmig, doch: das ist leichter gesagt als getan. Da fällt es schon leichter zu sagen: hier geht es doch gar nicht um meine Bedürfnisse! Sondern um die Abteilungsziele, die öffentliche Ordnung etc. Doch stimmt das?

Firmen, Abteilungen, Gesellschaften als abstrakte Größe (Entität) haben keine Bedürfnisse. Es sind immer die Menschen, die in der Firma arbeiten oder der Gesellschaft leben, die Bedürfnisse haben. Bedürfnisse verbinden uns mit unserer Lebendigkeit, ignorieren wir sie, sterben oder verkümmern wir. Wenn wir Nahrung brauchen und nicht essen, wenn wir Nähe und Zuneigung brauchen und so tun, als wären uns alle anderen egal, immer dann, wenn wir so tun, als hätten wir keine Bedürfnisse, entfremden wir uns von uns selbst und werden ein Stück unlebendiger.

Es geht uns immer auch um die Erfüllung eigener, persönlicher Bedürfnisse, niemals nur um die Sache.

Wenn ich meinen Kindern sage, sie sollen nicht auf der Straße spielen, geht es mir um mein Bedürfnis, für die Sicherheit meiner Kinder zu sorgen. Das anspringt meinem Bedürfnis nach Fürsorge. Wenn ich als Führungskraft durch mein kritisches Feedback für die Einhaltung der Sicherheitsvorschriften eintrete, entspringt das meinem Bedürfnis nach Fürsorge für den Mitarbeiter und seine Kollegen und vielleicht meinem Bedürfnis, als Führungskraft einen guten Job zu machen, den Respekt der anderen Mitarbeiter zu bekommen und meine Führungsautorität zu erhalten und vielleicht auch die Anerkennung meiner Vorgesetzten zu bekommen oder meine Position nicht zu gefährden.

Natürlich kommt mein Bestreben, so es denn erfolgreich ist, mir meine Bedürfnisse zu erfüllen, unter Umständen anderen sehr zugute – wie gesagt: die meisten Bedürfnisse, die ich kenne, sind nicht egoistisch motiviert, sondern soziale Bedürfnisse. Es geht mir in dem Sinne selten nur um mich, sondern immer auch um andere. Aber der Umkehrschluss gilt eben auch: es geht mir selten oder nie nur um andere, sondern immer auch um mich!

Kommen wir also zurück zum eigentlichen Problem: wie höre ich auf, mich hinter Sachzwängen und abstrakten Gebilden wie z. B. den Firmenzielen oder der aktuell gültigen Rechtslage zu verschanzen und als Mensch mit eigenen Bedürfnissen sichtbar zu werden, der auf die Unterstützung anderer angewiesen ist, um diese Bedürfnisse erfüllt zu bekommen? Dazu gehört Ehrlichkeit, Offenheit und Mut und die Akzeptanz der Tatsache, dass ich als Individuum verwundbar und wechselseitig abhängig bin.

 

Jetzt mal praktisch, Michael!

Nach diesem kleinen philosophischen Ausflug möchte ich zur Praxis des Feedback-Gebens kommen. Das Ziel ist eine Kommunikation, die ehrlich und direkt mein Anliegen und das damit verbundene eigene Bedürfnis zum Ausdruck bringt und den anderen offen um Unterstützung bittet.

Wenn Du jetzt sagst: „Moment mal, du redest die ganze Zeit von kritischem Feedback. Es gibt doch auch positives Feedback, oder nicht?“, dann gebe ich Dir natürlich Recht. Wenn es Dir darum geht, zu erfahren, wie man positives Feedback gibt, dann lies bitte meinen Blogbeitrag zum Thema Wertschätzung („Wie Sie in 4 einfachen Schritten die Herzen Ihrer Mitarbeiter öffnen“). Ich verstehe positives Feedback als Wertschätzung geben. Oder benutze den Prozess, den ich hier gleich zum kritischen Feedback geben erläutere und ändere einfach Schritt 4 (erfährst Du gleich) um, indem Du statt einer Bitte Deinen Dank äußerst. ;-).

Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall Rosenberg

So wie ich das Thema positives Feedback (Wertschätzung geben) inhaltlich bereits an die Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall Rosenberg angelehnt habe, so möchte ich das auch mit negativem oder kritischem Feedback tun.

 

Beispiel 1:

Gehen wir mal gemeinsam ein konkretes Beispiel durch. Angenommen unser Nachbar macht nach dem Herbststurm sein Laub nicht weg, also das Laub, das von den Bäumen herab gefallen ist und auf seinem Grundstück liegt. Ganz im Gegensatz zu Dir, der fleißig die Blätter zusammen geharkt und in der Grünen Tonne entsorgt hat. Jetzt bläst auch in den Tagen nach dem Sturm  immer noch ein kräftiger Wind, sodass sich dieses Laub auch auf Deinem Grundstück verteilt.

Wenn man das ganze als Prozess betrachtet, also als eine Abfolge von aufeinander folgenden einzelnen Schritten oder Momenten, was passiert als erstes?

 

Schritt 1 – Beobachtung:

Richtig, Du nimmst es wahr. Es fällt Dir plötzlich auf. Ey, denkst du vielleicht, hoppla, das ganze Laub verteilt sich vom Nachbargrundstück auf mein/unser Grundstück. Und Du denkst: „Wieso macht der Kerl sein Laub nicht weg?“

Halt, stopp, das war ja gar nicht nur Deine Wahrnehmung, die ich hier stellvertretend für Dich aufgeschrieben habe! Erstens hast Du nicht wahrgenommen, wie sich das Laub verteilt hat, sondern nur, dass es jetzt verteilt ist. Zweitens: was meint „das ganze Laub“? Guck noch einmal genauer hin. Liegt jetzt wirklich gar kein Laub mehr beim Nachbarn selbst, sondern nur noch alles bei Dir? Wenn beim Nachbarn selbst auch noch Blätter liegen – warum sagst Du dann „das Ganze Laub“?

Ok, ich habe Dir ja die Worte in den Mund gelegt, aber spielt es sich „im richtigen Leben“ nicht oft genauso ab? Ich will damit nur andeuten, dass wir oft gedanklich verallgemeinern und übertreiben, ohne das selber mitzukriegen. Wenn Du dann so kommunizierst, hat das aber eine andere Wirkung, als wenn Du Dich streng an die Fakten hältst.

Und der Gedanke: „Warum macht der Kerl sein Laub nicht weg?“ War das wirklich eine reine Frage, der Wunsch, mehr Information zu bekommen, um die Situation besser verstehen zu können? Oder steckte da auch schon ein leicht aggressiver Unterton mit drin und die Frage war eher ein versteckter Vorwurf nach dem Motto: das hätte er aber „gefälligst“ tun sollen!?

Du siehst, es ist gar nicht so leicht, einfach nur zu beobachten ohne direkt die eigene Interpretation der Situation oder die eigenen Ansprüche gedanklich mit reinzupacken. Doch was passiert, wenn Du zum Nachbarn gehst und unterschwellig aggressiv und vorwurfsvoll dein Anliegen vorbringst?

Wenn ihr ein gutes Verhältnis zueinander habt, wird er Dir vielleicht Recht geben. Wenn Ihr ein nicht so gutes Verhältnis zueinander habt, wird er vielleicht zum verbalen Gegenangriff starten: „Machst Du etwa immer sofort Deinen Garten sauber? Ich möchte nur an Eure Gartenparty im letzten Jahr erinnern. Da konnte ich bis nachts um 03:00 Uhr kein Auge zumachen und es hat eine ganze Woche gedauert, bis Ihr die letzten Reste von der Feier entsorgt hattet!“

Zu dumm, der Schuss ist nach hinten losgegangen. Versuche also, Dich nicht hinreißen zu lassen, zu verallgemeinern oder zu übertreiben, sondern einfach nur die Fakten zu schildern: „Schau mal, der Sturm hat ja am Freitag eine ganze Menge Blätter von den Bäumen geweht. Ich habe dann am Samstag bei uns die Blätter weg gemacht und alles sauber gefegt. Jetzt liegen viele Blätter wieder in meinem Garten und ich frage mich, ob das vielleicht daran liegt, dass der Wind die Blätter von Deinem Grundstück zu uns herüber gepustet hat?“

Ich weiß, es gibt ein paar ganz hartgesottene Zeitgenossen, die würden Dir offenen Auges ins Gesicht lügen und alles abstreiten, egal wie offensichtlich es ist. Doch wie viele Deiner Mitmenschen sind so? Ist das nicht eher die Ausnahme? Lass uns die Ausnahmen am Ende dieses Textes behandeln, ok?

Wahrscheinlicher ist eher eine Reaktion wie: „Ja, das kann schon sein. Es sind allerdings auch noch am Samstag und Sonntag eine ganze Menge Blätter herunter gefallen, auch von Deinen Bäumen. Aber Du hast schon Recht, ich habe nicht gefegt und ein Teil der Blätter bei Dir sind von mir.“


Schritt 2: Gefühle anerkennen und ausdrücken

Wow, angenommen Dein Nachbar reagiert so positiv, dann bist Du wahrscheinlich jetzt erleichtert, oder? Du hattest womöglich mit mehr Widerstand gerechnet, weil Du Dir ausgemalt hast, dass er das bestimmt nicht einfach zugeben wird. Oder selbst wenn er es zugibt, dass er keine Lust hat, sein Laub weg zu machen und Dir sein Eingeständnis nichts nützt, weil sein Laub dann trotzdem noch in Deinem Garten liegt, richtig?

Wir sind oftmals eher misstrauisch, was die Bereitschaft der anderen Menschen angeht, uns zu helfen? Warum eigentlich? Wie oft bist Du in den letzten Wochen im Stich gelassen worden, wenn Du offen, vorurteils- und vorwurfsfrei um Unterstützung gebeten hast?

Was für Gefühle hast Du in ähnlichen Situationen wie der hier im Beispiel beschriebenen, wenn Du davon ausgehst, dass der andere Dir wahrscheinlich nicht Recht geben und Dir nicht helfen will? Ich vermute mal eher negative Gefühle wie Ärger, Enttäuschung oder Wut. Was würdest Du wahrscheinlich fühlen, wenn Du erwartest, dass der andere Dir voll und ganz Recht gibt und gerne hilft, dass sich Deine Bedürfnisse (in unserem Beispiel die Bedürfnisse nach Sauberkeit und Ordnung, vielleicht auch nach Rücksichtnahme) erfüllen können?

 

Ich hoffe, ich konnte dir einige Anregungen zum Thema „Feedback“ mitgeben. Ich freue mich auf diene Rückmeldungen :-).

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